
Therapie auf den Punkt
Der Podcast behandelt Theorie und Praxis der Psychotherapie sowie verwandte Themen. Schwerpunkte sind Akzeptanz- und Commitment-Therapie, Verhaltenstherapie und Persönlichkeitsstile. Außerdem werden philosophische Fragen der Psychiatrie und des Geistes diskutiert. Host ist Henning Lütje.
Folgen

Trauma #6 - Die kognitive Therapie der PTBS
Die Grundidee der kognitiven Therapie lautet: Die Symptome der PTBS kommen zustande, weil wir bestimmte Überzeugungen gebildet haben, durch die wir heute noch uns selbst, unsere Symptome und die Welt interpretieren. Gleichzeitig verhalten wir uns so, dass diese Überzeugungen bestätigt oder zumindest nicht widerlegt werden.Die Therapie zielt darauf ab, diese Überzeugungen zu identifizieren und zu v

Trauma #5 - Das kognitive Modell der PTBS
Die PTBS stellt uns vor zwei Rätsel: Wieso erleben die Betroffenen so oft Angst, wenn Angst doch zukünftige Bedrohungen anzeigt und sich das Ereignis bereits in der Vergangenheit befindet? Und wieso entwickeln manche Menschen nach einem traumatischen Ereignis eine PTBS und andere nicht?In ihrem kognitiven Modell erklären Ehlers und Clark diese Rätsel damit, dass die Betroffenen bestimmte Interpret

Trauma #4 - Sind traumatische Erinnerungen fragmentiert?
Es heißt oft, das Traumagedächtnis sei wie eine Menge von ungeordneten Puzzlestücken und in der Therapie gehe es darum, diese zu einem kohärenten Ganzen zusammenzusetzen. Aber ist es wirklich so, dass die Erinnerung an traumatische Ereignisse bei der PTBS fragmentiert sind?Leider hat die Forschung hierauf keine eindeutige Antwort zu bieten. Manche Evidenz spricht dafür, andere dagegen, auch abhäng

Trauma #3 - Fünf Mythen über Trauma (PTBS)
Es kursieren viele Mythen über die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Diese führen schlimmstenfalls dazu, dass Behandler nicht traumafokussiert arbeiten, obwohl z. B. Expositionstherapie bei der PTBS gut verträglich und sehr wirksam ist._______________________Mythos 1: Vor der traumafokussierten Arbeit muss die Patientin in allen Fällen lange Zeit stabilisiert werden.Mythos 2: Expositionst

Trauma #2 - Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)
Die komplexe Poststraumatische Belastungsstörung (kPTBS) ist eine Traumafolgestörung, die neu ins ICD-11 aufgenommen wurde. Tatsächlich reicht die Diskussion um die kPTBS aber schon in die frühen 90er. Ich zeichne diese Entwicklung nach und beschreibe dann, was wir bei der zugegebenermaßen dünnen Evidenzlage empirisch über diese Diagnose wissen.Wie unterscheidet sich die kPTBS von der Borderline?

Chronische Schmerzen, Grübeln und Meditation (mit Maria Müller-Hornbach)
In dieser Episode spreche ich mit der Philosophin und Meditationslehrerin Maria Müller-Hornbach, die selbst seit Jahren mit chronischen Schmerzen lebt. Welchen Einfluss haben unsere Gedanken auf den Schmerz? Wie hängt unser Schmerzempfinden mit unserer Aufmerksamkeit zusammen? Wie kann man Meditation nutzen, um nicht an seinen Schmerzen zu leiden?Ein zentrales Thema ist der Unterschied zwischen Sc

Trauma #1 - Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Überblick und Basics
Zwei Drittel aller Menschen erleben im Lauf ihres Lebens ein traumatisches Ereignis. Eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln abern nur 3 - 20% der Betroffenen. Warum trifft es die einen und die anderen nicht?In dieser Folge gehen wir die Basics der PTBS systematisch durch: Diagnosekriterien, Prävalenz und Risikofaktoren und Entstehungsmodelle von der Furchtkonditionierung über das fragm

Grübeln #7 - Losgelöste Achtsamkeit (angeleitete Übung)
Losgelöste Achtsamkeit von Gedanken bedeutet, ihren Inhalt nicht für bare Münze oder der Weisheit letzten Schluss zu behandeln, sondern als das, was sie sind: mentale Ereignisse.__________________________Handout PDF: drive.google.com/drive/folders/1OizbSXYUOGatEFEq7cPWj9b5hSCU0RBe?usp=sharingHandout Website: therapieaufdenpunkt.com/gr%C3%BCbeln/gr%C3%BCbeln-und-wie-man-damit-aufh%C3%B6rtAdrian Wel

Grübeln #6 - Das Aufmerksamkeitstraining (angeleitete Übung)
Das Aufmerksamkeitstraining (Attentional Training Technique, ATT) zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit wie einen Muskel zu trainieren. Dadurch wird die Aufmerksamkeit flexibler und geht seltener in einen gewohnheitsmäßigen Stimmungscheck über.Viel Spaß! 🚀🚀🚀____________________________Handout PDF: drive.google.com/drive/folders/1OizbSXYUOGatEFEq7cPWj9b5hSCU0RBe?usp=sharingHandout Website: therapieau

Grübeln #5 - Zwei hilfreiche Strategien
Das Aufmerksamkeitstraining und die lösgelöste Achtsamkeit von Gedanken sind zwei Strategien, um Grübeln zu unterbinden. Die Aufmerksamkeit ist wie ein Muskel, den man trainieren kann, um nicht in die automatische Innenschau zu verfallen und unangenehme Empfindungen wie durch eine Lupe zu vergrößern.Losgelöste Achtsamkeit dagegen zielt darauf ab, Gedanken als mentale Ereignisse zu erleben und nich

Grübeln #4 - Ist Grübeln hilfreich?
Gründe fürs Grübeln gibt es viele, allerdings nur schlechte. Wir glauben, durchs Grübeln Antworten zu finden, Entscheidungen fällen zu können oder uns aus der Depression herauszugrübeln.Vielleicht glauben wir auch, durch positives Grübeln unseren Selbstwert steigern zu können: "Ich muss mich nur ausgiebig genug mit meinen positiven Eigenschaften befassen, muss nur genug schöne Gefühle fühlen, dann

Grübeln #3 - Typische Triggergedanken
Welche Gedanken ziehen uns an und verleiten uns dazu, uns besonders ausgiebig mit ihnen zu befassen? Wie die Geschmäcker verschieden sind, so schlagen uns auch jeweils andere Gedanken in den Bann. Dabei ist es hilfreich, die eigenen Triggergedanken zu kennen, um Grübeln schneller zu erkennen und zu unterbinden.Wir besprechen eine simple Methode, um den eigenen Triggergedanken auf die Schlichte zu

Grübeln #2 - Wie wir grübeln
Was machen wir eigentlich genau, wenn wir grübeln? In der metakognitiven Therapie werden vier Strategien unterschieden:1. Die übermäßige gedankliche Beschäftigung mit sich selbst oder der Vergangenheit (Warum-Fragen)2. die übermäßige Beschäftigung mit Bedrohungen oder der Zukunft (Was ist, wenn-Fragen)3. der Stimmungscheck und4. allerlei wenig hilfreiche BewältigungsversucheBeim Stimmungscheck ric

Status in der Odyssee bei Homer, Vergil und Christopher Nolan
Odysseus wird bei Christopher Nolan von starken Gewissensbissen geplagt, weil seine geniale List den Untergang Trojas bedeutete und vielleicht sogar der ganzen archaischen Zivilisation. Aber entspricht das überhaupt dem Odysseus der Homerischen Epen?Dort finden wir einen Odysseus, der lügt und manipuliert, der immer noch ein Ass im Ärmel führt und sich aus jeder noch so auswegslosen Situation durc

Grübeln #1 - Was es ist und wie man aufhört
Steile These: Wir können unser Grübeln kontrollieren. Warum tun wir es nicht, obwohl uns unser Grübeln belastet? Wir haben entweder keine Übung darin, unser Grübeln zu bemerken, oder wir halten es eigentlich für zielführend: "Wenn ich nur gut genug oder ausreichend viel über das Problem nachdenke, komme ich zu einer Lösung!"Aber wie lang haben wir schon nachgedacht? Und sind wir weiterge

Kann KI denken? Von stochastischen Papageien und Sprachbedeutung nach Wittgenstein (mit Peter Kuhn)
Können KIs denken? Es geht die Rede um, KIs seien nur "stochastische Papageien", die statistische Muster in der Sprache erkennen und reproduzieren, ohne dabei zu verstehen, was sie eigentlich sagen. Aber haben wir denn eine klare Vorstellung davon, was denken und verstehen bei uns Menschen bedeutet?Peter Kuhn ist zum wiederholten Mal Gast im Podcast und erklärt uns die Basics zu KI-Model

Lithium ins Trinkwasser?
Lithium ist ein psychiatrisches Medikament, was in geringer Dosis auch im Trinkwasser vorkommt. Nun gibt es eine Reihe von Beobachtungsstudien, die zeigen, dass mehr Lithium im Trinkwasser mit weniger Suizidalität, weniger psychiatrischen Einweisungen, weniger Gewaltverbrechen und weiteren Outcomes zusammenhängt.Wie kann das aber sein, wenn die Dosis im Trinkwasser so gering ist? Wie funktioniert

Evolutionstheorie
ADHS ist eine Menge von Merkmalen, die in der ursprünglichen Umwelt der Menschen einmal adaptiv waren, aber heute nicht mehr zu den Erfordernissen der modernen Welt passen - so sagt es zumindest die Mismatch-Theorie, bei der es sich um eine evolutionäre Erklärung handelt. Aber was bedeutet es überhaupt, dass ein Merkmal adaptiv ist? Und wie testen wir Hypothesen zur ursprünglichen Funktion eines M

Fallkonzeption und Therapieplanung
Jede Therapieform lässt sich in zwei stets wiederkehrende Schritte aufgliedern: verstehen und intervenieren. Diese Schritte finden sich im Kleinen wieder (zuhören und fragen, beobachten und spiegeln), aber auch im Großen. Dann spricht man von Fallkonzeption (Woran leidet die Patientin und warum?) und Therapieplanung (Was müsste sie tun/denken/lernen/ändern, um weniger zu leiden?).Wir sehen uns gem

Crashkurs Verhaltenstherapie
Wie funktioniert Verhaltenstherapie? Wie analysiert und bearbeitet sie Probleme?In diesem Crashkurs zeige ich, wie sich ein kleiner Bestand von theoretischen Annahmen und Methoden universell auf sehr unterschiedliche Probleme anwenden lässt.Insbesondere besprechen wir die Anwendung bei Depression, Angst, Ärger, Schuld und Scham.Viel Spaß! 🚀🚀🚀______________________________Textgrundlage: mindovermoo

Das Problem der Selbstdisziplin
Kennt ihr das? Ihr verfolgt Eure Ziele mit Elan und eiserner Selbstdisziplin, stellt ambitionierte Pläne auf und kniet euch richtig rein, bis ihr irgendwann genug habt, euch der Stress zu viel wird und ihr mehr Nachsicht und Akzeptanz übt - dann aber mit Euren Zielen nicht richtig vorankommt. Und dann beginnt der Kreislauf von Neuem?Die Psychologin Gena Gorlin nennt diese Phasen den Drill-Sergeant

Neue ACT-App: inneract.de! (grrrrratis)
Babak und ich haben die letzten Wochen eine ACT-App erstellt auf Grundlage von "30 Tage ACT", meinem Kurs zur Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Babak hat sich um das Design, das Logo und alles Technische gekümmert, ich mich um die Inhalte.6 neue angeleitete ÜbungenFortschritt speichernReflexionen speichern (lokal)schickes DesignDSGVO-konformkein Tracking, keine Werbenetzwerkegrrrrrrrra

Was ist Vermeidung?
Vermeidung ist die zentrale Ursache für alle möglichen psychische Störungen und Schwierigkeiten. Ich erkläre in dieser Folge anhand eines simplen Diagramms, wie Spinnenphobie, Panik, Emetophobie, Zwang, Depression und Probleme mit dem Setzen von Grenzen alle durch Vermeidung Zustandekommen.Viel Erfolg und alles Gute!🚀🚀🚀Download Din A4 (PDF): https://drive.google.com/drive/folders/19-FpV07Kzw7WGaVx

Meditation lernen #3 - Schwierige Gefühle (geführte Meditation)
In dieser 30-minütigen geführten Meditation wenden wir die Technik, die wir zu Beginn der Serie besprochen haben, auf schwierige Gefühle an. Wenn ihr euch jetzt gerade in diesem Moment in einer schwierigen Gefühlslage befindet, könnt ihr die Meditation nutzen, um euer Gefühl Stück für Stück zu akzeptieren.Viel Erfolg und alles Gute! :)______________________________Inhalt:0:00 Einleitung4:44 Medita

Meditation lernen #2 - Geführte Meditation
In dieser 60-minütigen geführten Meditation nutzen wir die Technik, die ich in der letzten Episode vorgestellt habe. Wir gehen 4 Focus Ranges durch: Empfindungen im Kopf, äußere Klänge, Gefühle und alle Empfindungen.Viel Erfolg! 🚀🚀🚀____________________________Ladet euch das Handout zur Technik runter: drive.google.com/drive/folders/13MXQpJ1W5DzhaHd-fKXdlaiqTTu2Uk_C?usp=sharing_____________________

Meditation lernen #1 - Unified Mindfulness nach Shinzen Young
Durch Meditation können wir lernen, mit schwierigen Gefühlen besser umzugehen, dysfunktionale Handlungsimpulse abbauen, uns selbst besser kennenlernen und empfänglicher für die schönen Dinge im Alltag zu werden.Leider sind die meisten Meditationsbücher zwar voll von blumigen Metaphern, enthalten aber keine konkreten Handlungsanweisungen. Das System von Shinzen Young (Unified Mindfulness) ist dageg

Grenzen setzen
Grenzen setzen heißt, die eigenen Bedürfnisse klar zu kommunizieren und für sie einzustehen. Aber was hält uns vom Setzen einer Grenze ab? Und wie setzten wir Grenzen konkret? Wie sehr muss ich mich für meine Bedürfnisse rechtfertigen? Und welche Bedürfnisse kann ich überhaupt einfordern?Außerdem schauen wir uns an, wie das Gegenüber auf unsere Grenzen reagieren kann. Es gibt verschiedene Formen d

Kollektive Handlungsprobleme, Hyperagenten und KI-Entwicklung als Metaevolution (mit Peter Kuhn)
Die Welt ist voll von Systemen, die niemand so designen würde, die aber jeder beteiligte Akteur durch sein eigenes Handeln herbeiführt: Überfischung, kapitalistische Ausbeutung, Wettrüsten und Krebs. All dies sind Beispiele für das, was man in der Spieltheorie als kollektive Handlungsprobleme bezeichnet.Wie entstehen diese Handlungsprobleme? Wie lassen sie sich regulieren? Was bedeutet dies für po

Warum und wie funktioniert Expositionstherapie? - Die theoretischen Grundlagen
Was genau sind die Wirkmechanismen hinter der Expositionstherapie? Wir gehen verschiedene Kandidaten durch und arbeiten jeweils heraus, welche Evidenz zu welcher theoretischen Neuerung geführt hat. Dadurch gewinnen wir nicht nur ein Erklärungsmodell für eine der wirksamsten therapeutischen Methoden überhaupt, sondern auch ein besseres Bild davon, wie unsere Psyche funktioniert.Die besprochenen Kan

1 Jahr Therapie auf den Punkt!
Vor genau einem Jahr habe ich die erste Folge auf diesem Podcast hochgeladen! Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick zurück und lassen das vergangene Jahr Revue passieren. Außerdem gebe ich einen Überblick über die Hörerstatistiken, erzähle kurz etwas über meine ursprüngliche Motivation hinter dem Podcast, gebe einen kleinen Einblick in den Produktionsprozess und einen Ausblick auf die Themen im

Cannabis und psychische Gesundheit
Viele Menschen kiffen, um mit ihren Depressionen oder Ängsten besser umgehen zu können. Aber funktioniert das eigentlich? Die Debatte um die psychischen Auswirkungen von Cannabis ist auf beiden Seiten geprägt von diversen Mythen. Auf der einen Seite wird Cannabis komplett verteufelt, auf der anderen Seite komplett verharmlost. Aber was sagt eigentlich die Forschung?Wir gehen eine Übersichtsstudie

Diagnosen #4 - Der Moderate Konstruktivismus
Was ist das Verhältnis von Diagnose und psychischer Störung in der Welt? Der Naive Realismus geht davon aus, dass jeder Diagnose eine feinsäuberlich getrennte und eindeutig bestimmbare Störungsentität in der Welt entspricht. Dies ist jedoch aus verschiedenen Gründen unplausibel.Alternative Vorschläge zum Naiven Realismus verfallen oft in einen Relativismus, demzufolge kein Bild der Welt wahrer ode

Die Psychodynamik der Suchtstation
Man kann die Suchtstation als einen Ort verstehen, an dem sich Behandler und Patienten immer wieder in bestimmten Rollen wiederfinden. Je nachdem, welche vergangenen Beziehungserfahrungen die betreffende Person in die Beziehung mitbringt, verändern sich die Rollen auf beiden Seiten. Dadurch wird viel des sozialen Geschehens auf Station verständlich.Ohne Anspruch auf Vollständigkeit besprechen wir

Diagnosen #3 - Mimetische Ansteckung und Looping-Effekte
Kann man eine Symptomatik dadurch bekommen, dass man von ihr erfährt? Kann man z. B. tourette-ähnliche Symptome schon dadurch bekommen, dass man viele YouTube-Videos über Tourette ansieht?So unglaublich es klingt: Es gibt viele gut dokumentierte Beispiele, in denen sich eine Symptomatik dadurch verbreitet, dass über sie kommuniziert wird. Ich versuche, diese Fälle von sogenannter mimetischer Anste

Diagnosen #2 - Exportiert der Westen seine Störungsbilder?
In seinem Buch "Crazy Like Us" stellt Ethan Watters 5 Fallbeispiele vor, die zeigen sollen, wie der Westen sein Störungsverständnis in andere Länder exportiert. Dadurch sollen sich die beobachtbaren Symptome in diesen Ländern verändern.Gleichzeitig läuft der Westen so Gefahr, den gut funktionierenden lokalen Umgang mit psychischen Leiden durch seine medizinische Herangehensweise zu erset

Diagnosen #1 - Konstruktivistisches Denken
Liegen psychische Leiden wirklich so feinsäuberlich sortiert in der Welt vor, wie unsere Klassifikationen suggerieren? Der Realismus sagt: Ja, jeder Diagnose entspricht auch ein spezifisches reales Phänomen in der Welt.Der Konstruktivismus dagegen behauptet: Das Phänomen, das wir durch die Diagnose bezeichnen wollen, liegt nicht einfach vor. Vielmehr verändert es sich durch die Art, wie wir es bes

Depression im Hirn: Die neuronalen Grundlagen der Depression
Wie äußert sich eine Depression im Hirn? Ich plädiere dafür, dass wir aus biologischer Perspektive interessante Aspekte einer Depression erkennen können, die anderen Perspektiven verborgen bleiben. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Bio-Perspektive in allen Kontexten Vorrang hätte.Nachdem wir uns vom biologischen Reduktionismus verabschiedet haben, wenden wir uns zwei neuen Studien zu Biotype

Die Genetik psychischer Störungen
Wie hängen unsere Gene mit psychischen Diagnosen zusammen? Wir besprechen zu diesem Zweck unter anderem Zwillingsstudien, Adoptionsstudien und GWAS (genome-wide association studies).In zwei neuen Studien stellt sich außerdem heraus: Einerseits gibt es starke Überschneidungen in den genetischen Profilen unterschiedlicher Diagnosen. Andererseits hilft uns die Kenntnis der genetischen Profile möglich

Wirken Antidepressiva überhaupt?
In seinem Buch "Die Depressions-Falle" formuliert Thorsten Padberg eine Kritik an der Wirksamkeit von Antidepessiva. Ihm zufolge sollten wir - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auf ihre Verwendung verzichten. Dabei stützt er sich vor allem auf zwei zentrale Meta-Analysen: Kirsch et al. 2008 und Cipriani et al. 2018.In dieser Episode gehe ich die Evidenz noch einmal durch und komme zu einem anderen

Ringen um Bedeutung
"Alles Leben ist Problemlösen" (Karl Popper). Das Leben ist eine unendliche Reihe von Problemen. Wenn ich eines löse, kommt direkt das nächste. Dieser Prozess endet nie. Aber: Ich kann lernen, mich in diesem Prozess gewissermaßen häuslich einzurichten, also dieses Ringen selbst zu akzeptieren und bewusst aufzusuchen.Ich persönlich hätte weniger Offenbarungsängste, Selbstzweifel und Stres

Sollte mir das nicht egal sein?
Wieso regen wir uns über Dinge auf, die uns egal sein könnten? Es ist, als hätten wir einerseits eine begrenzte Menge von Wichtigkeit, die wir Problemen zuschreiben können: Uns kann nicht alles gleichermaßen wichtig sein.Andererseits gibt es eine Mindestmenge, die wir zuschreiben MÜSSEN. Darauf folgt: Wenn wir keine bewusste Entscheidung treffen, welche Probleme wir priorisieren, schreiben wir unb

Status-Games #10 - Gemischte Tüte
In der letzten Episode der Serie widmen wir uns noch einmal der Frage, wieso wir die Status-Theorie jetzt eigentlich glauben sollten. Dazu nehmen wir nacheinander die evolutionäre, die kulturvergleichende und die individuelle Perspektive ein.Außerdem geht es noch einmal um Moral: Welche moralischen Kriterien legen wir an, wenn wir bewerten, dass manche Games besser sind als andere? Und woher komme

Status-Games #9 - René Girard revisited
René Girard versucht mit seiner Theorie des mimetischen Begehrens zu erklären, wieso zwischenmenschliche Konflikte entstehen. Einige von euch kennen Girard schon aus der Serie, die ich vor einigen Monaten mit Peter Kuhn gemacht habe.Im direkten Vergleich stellt sich aber heraus, dass die Status-Theorie vollständiger, erklärungsstärker und empirisch besser fundiert ist als die Theorie Girards. Sie

Status-Games #8 - Wie Games kollabieren
Unser Miteinander ist geprägt von Paradoxien: Wir wollen, dass andere denken, dass uns egal ist, was sie von uns denken. Wir konkurrieren darum, wer am wenigsten kompetitiv ist. Wir optimieren unseren Status, indem wir gezielt signalisieren, dass uns Status gleichgültig ist.Das lässt sich durch zwei Fähigkeiten erklären: cue-based inference und rekursive Mentalisierung. Durch diese Fähigkeiten sin

Status-Games #7 - Krise der Expertise (Dan Williams)
Wissen ist relevant für Status: Es kränkt uns, wenn andere uns widerlegen und uns zeigen, dass sie mehr wissen als wir. Deshalb ist Expertise immer eine heikle Angelegenheit. Dadurch erklärt Dan Williams, wieso Populisten in den USA und Europa Sturm gegen wissensproduzierende Institutionen laufen, die sie zu unterlegenen Rezipienten epistemischer Almosen degradieren.Status ist aber nicht die einzi

Status-Games #6 - Narzissmus
Narzissmus lässt sich als eine Menge von Strategien verstehen, mit denen wir unseren Status optimieren können. Das Bedürfnis nach Anerkennung, das Leistungsmotiv, die Anspruchshaltung und einiges mehr sind schlicht der Ausdruck eines narzisstischen Status-Motivs. Wir besprechen ein aktuelles Paper zu Status-Optimierung im Rahmen von Narzissmus und kontrastieren die Status-Perspektive mit der Konze

Die Haftbefehl-Doku - Einige wenige Anmerkungen
Ich springe auf den fahrenden Zug und widme mich dem Thema der Stunde: der Haftbefehl-Doku. Da ich wenige originelle Bemerkungen beizusteuern habe, ist die Episode eher kurz gehalten. Wir fragen uns: Verschwindet der Kokain-Konsum, wenn Hafti sein Trauma aufarbeitet? Sind Psychiatrien wirklich ein so düsterer Ort wie in der Doku suggeriert? Und was ist dran an den systemischen Kritiken aus "D

Status-Games #5 - Therapie
Geringer Status macht krank, depressiv und ängstlich, wofür spannenderweise unser Immunsystem verantwortlich ist. Wenn geringer Status die Ursache für Depression ist, dann ist aber eine lange stationäre Behandlung oft sogar schädlich, weil wir aus den gewohnten Games herausgerissen werden. Wir werfen außerdem einen Blick auf Status-Games, die man nur in der Klinik spielen kann und die dazu führen

Status-Games #4 - Sozial Adaptive Überzeugungen (Dan Williams)
Die zentrale Idee ist, dass wir uns in unserer Meinungsbildung nicht allein an Gründen oder Evidenz orientieren, sondern auch an sozialen Anreizen. Wir antizipieren, wie sich unsere Überzeugung auf unseren Status auswirken wird. Wenn Überzeugungen besonders relevant für unseren Status sind, aber irrelevant für unseren Alltagsvollzug, dann weichen wir systematisch von idealer Rationalität ab und bi

Status-Games #3 - Dominanz, Moral, Kompetenz
Was sind das eigentlich genau für Games, in denen wir um Status konkurrieren? Wir sprechen über die Tücken der Dominanz, moralische Handlungen als Signal (an Andere, an uns, an Gott), Loyalität, Trump, unausgesprochene Konventionen in englischen Pubs, Opfer-Games im Christentum und in der intersektionalen Linken, Kompetenz-Games und kurz über einige Schwierigkeiten der freien Marktwirtschaft.Viel

Status-Games #2 - Status-Symbole, gruppenbasierte Games und was heißt das für mich?
Status lässt sich nicht direkt wahrnehmen, deshalb nutzen wir Status-Symbole als Proxy. Neben leicht erkennbaren materiellen Status-Symbolen lassen sich auch diverse andere Symbole identifizieren, z. B. Verhaltensweisen und Überzeugungen.Außerdem nehmen wir gruppenbasierte Status-Games mitsamt ihren Ritualen und Denkverzerrungen in den Blick. Diese funktionieren ähnlich wie individuelle Games, nur

Status-Games #1 - Grundidee, Selbsttäuschung & Status-Konflikte
Status ist die Stellung, die wir in unserer Familie, unserem Freundeskreis, unserem Kollegium oder unserem Team genießen. Status bringt diverse Vorteile mit sich, deshalb sind wir bemüht, unseren Status zu optimieren. Allerdings ist Status immer relativ und deshalb ein Nullsummenspiel: Wenn mein Status steigt, heißt das automatisch, dass deiner sinkt, und umgekehrt. Deshalb gibt es soziale Normen

KI-induzierte Psychosen?
Es häufen sich Berichte, dass Menschen psychotisch wahnhafte Ideen entwickeln, nachdem sie zu lang mit Chat-Bots geschrieben haben. Aber kann man wirklich durch ChatGPT psychotisch werden? Und was passiert da genau?Der Psychiater und Blogger Scott Alexander schlägt vor, KI-Psychosen analog zur Folie à deux zu verstehen. Die wiederum können wir uns nur verständlich machen, indem wir soziale Anreize

Miteinander reden #5 - Zwischen Ausdruck und Wirkung
Oft schielen wir beim Sprechen auf die Wirkung, die unsere Nachricht auf unser Gegenüber haben soll. Wir kommunizieren wirkungsorientiert. Das Problem dabei ist, dass unser authentischer Selbstausdruck verloren gehen kann und unser Gegenüber einen Funktionalitätsverdacht schöpft: "Das sagt sie doch nur, damit ich..." Absolute Authentizität ist aber keine gangbare Alternative, deshalb kom

Miteinander reden #4 - Beziehungsmanöver und Gegenstrategien
In jeder Nachricht schwingt auch immer eine Beziehungsdefinition mit: So stehen wir zueinander. Nun kann mein Gegenüber durch ein sogenanntes Beziehungsmanöver versuchen, die Beziehung umzudefinieren, also zum Beispiel als enger zu definieren oder das Hierarchieverhältnis neu zu verhandeln. Und ich wiederum kann wie bei einem Schachspiel zwischen verschiedenen Zügen wählen, um diese Neudefinition

Miteinander reden #3 - Selbstoffenbarung als Problem
Diese Episode beleuchtet die Störungen, die auf der Selbstoffenbarungsseite auftreten können: von der Angst vor negativer Bewertung über Selbstdarstellungs- und Fassadentechniken bis hin zu den Folgen für unsere Beziehungen und seelische Gesundheit. Wir sprechen über die Spannung zwischen Authentizität und sozialer Erwünschtheit und darüber, wie selektive Echtheit zu mehr Stimmigkeit und echter Ve

Miteinander reden #2 - Der Beitrag des Empfängers
Wenn ich eine Nachricht verstehe, ist das kein rein passiver Vorgang. Vielmehr bin ich aktiv daran beteiligt, die Nachricht zu interpretieren und ihr einen Sinn zu verleihen. Dabei kann allerlei schiefgehen. Ich sehe die Nachricht nicht unverfälscht, sondern interpretiere sie vor dem Hintergrund meiner Erwartungen und Befürchtungen, meines Vorwissens und meines Selbstbildes. Es ist, als würde ich

Miteinander reden #1 - Vier Seiten einer Nachricht und weitere Basics
Wir widmen uns einem großen Klassiker der Kommunikationspsychologie, nämlich Schulz von Thun! In seinem Framework lassen sich alle möglichen kommunikativen Phänomene beschreiben: Missverständnisse, Paarkonflikte, Manipulationen und auch das implizite Aushandeln einer sozialen Hierarchie.Mit vielen Beispielen erkläre ich in dieser Episode die Grundlagen, bevor wir uns dann in den weiteren Folgen au

René Girard #4 - Peter Kuhn in der Diskussion II
Der zweite Teil der Diskussion mit Peter Kuhn. Es geht noch einmal um Peter Thiel, das Katechon und die Apokalypse! Falls ihr kritische Enwände oder Kommentare habt, schreibt mir wie immer gern auf Insta. Ansonsten viel Spaß! 🚀🚀🚀Peter auf Substack: https://open.substack.com/pub/theanticompletionist?r=3zjgbe&utm_medium=ios"Call Me Maybe" ist des Satans! https://www.instagram.com/reel/DLLx9mtupHD/?i

René Girard #3 - Peter Kuhn in der Diskussion I
Gemeinsam mit meinem Studienfreund Peter Kuhn widmen wir uns Einwänden gegen Girards Theorien und vertiefen einige der Kritiken aus den vorangegangenen Episoden.Viel Spaß beim Hören! 🚀🚀🚀Peter auf Substack: https://open.substack.com/pub/theanticompletionist?r=3zjgbe&utm_medium=ios0:00 Einleitung2:08 Extreme der Girard-Rezeption5:35 Mimesis als soziales Lernen und als Status-Game18:36 Das Problem de

René Girard #2 - Mimetisches Begehren bei The White Lotus Staffel 2
In der zweiten Staffel der US-Erfolgsserie The White Lotus wird explizit auf das Konzept des mimetischen Begehrens von Girard Bezug genommen. Aber eignet sich Girards Theorie, um die Rivalität zwischen Ethan und Cameron zu erklären?The White Lotus – “You have a bad case of something called mimetic desire”: https://www.youtube.com/watch?v=wC4cHv-MZqk0:00 Einleitung1:23 Die Handlung11:25 Nur ein Bei

René Girard #1 - Mimetisches Begehren und der Sündenbock-Mechanismus
Der französische Kulturanthropologe René Girard ist vor allem aus einem Grund wieder in aller Munde: Weil der rechts-libertäre Tech-Milliardär Peter Thiel sich immer wieder auf ihn als seinen wichtigsten intellektuellen Einfluss bezieht. Doch was ist dran an Girards Theorien?Girard geht davon aus, dass fast alles Begehren mimetisch ist. Das heißt, wir begehren die meisten Dinge nur deshalb, weil w

Kommentare zu Dan Williams - Wieso glauben Menschen wahre Dinge?
In dieser Episode besprechen wir eure Kommentare und Einwände zu Dan Williams Artikel "Why do people believe true things?", den wir in einer vorangegangenen Episode diskutiert haben. Eure Beiträge beziehen sich auf Erkenntnistheorie, Konstruktivismus, Biologie und den Homo oeconomicus, um nur einige Themen zu nennen. Ich hoffe, ich konnte euren zahlreichen Einsendungen gerecht werden.Vie

Zwänge #2 - Wie funktioniert Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen?
In dieser Folge gehen wir ganz praktisch an die verhaltenstherapeutische Behandlung von Zwangsstörungen heran mit einem besonderen Fokus auf die Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP). Wir besprechen Schritt für Schritt, wie die Exposition vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird und was dabei häufig schiefläuft.Viel Spaß!🚀🚀🚀Kapitelübersicht:0:02:20 Rein kognitive Methoden0:04:50 Vor de

Zwänge #1 - Was sind eigentlich Zwänge?
Was treibt Menschen dazu an, Stunden ihres Lebens mit scheinbar sinnlosen Verhaltensritualen zu verbringen? Wie entwickelt sich Zwang? Und wer ist besonders anfällig?Viel Spaß beim Hören! 🚀🚀🚀Kapitelübersicht:0:00 Einleitung2:05 Diagnostische Kriterien6:40 Differenzialdiagnosen15:29 Prävalenz, Verlauf, Komorbiditäten18:43 Welche Arten von Zwängen gibt es?25:25 Störungsmodell in der VT36:43 Gibt es

Dan Williams - Wieso glauben Menschen wahre Dinge?
Einwände und Kommentare gern per Text oder Sprachnachricht an therapieaufdenpunkt auf Instagram!Worauf gründen unsere Überzeugungen zu abstrakten Sachverhalten wie dem menschgemachten Klimawandel, dem Patriarchat, dem Außenhandelsdefizit der USA oder der Wirksamkeit von Corona-Impfungen? Diese Erkenntnisgegenstände sind uns nicht unmittelbar zugänglich wie die Katze auf der Matte. Vielmehr sind si

Depression #4 - Die Sehnsucht der Motte nach der Kerzenflamme
In dieser Folge geht es um eine Erfahrung, die nicht alle betrifft, aber für manche essenziell ist: die subtile, verführerische Anziehungskraft der Melancholie.Warum fühlen wir uns manchmal geradezu hingezogen zu unserer eigenen Niedergeschlagenheit? Warum suchen wir traurige Musik, wenn wir traurig sind? Und warum kann genau dieses emotionale Feuerwerk, diese Tiefe, Vertrautheit und Selbsterfahru

Depression #3 - Der Appetit kommt beim Essen
In dieser Folge geht es um ein zentrales Paradox psychischer Gesundheit: Oft glauben wir, wir müssten uns erst motiviert, stark oder inspiriert fühlen, dann könnten wir handeln. Doch meist ist es genau umgekehrt: Erst das Handeln bringt den Antrieb.Es geht um die Dynamiken von Antriebsminderung und Depression, über den klassischen Rückzug, das Aufschieben und den damit verbundenen Verlust von Fähi

Depression #2 - Der innere Kritiker
In dieser Episode widmen wir uns einer Stimme, die viele von uns nur allzu gut kennen: dem inneren Kritiker. Nachdem wir in der letzten Folge das Grübeln als vermeintliches Nachdenken entlarvt haben, geht es diesmal um selbstabwertende Gedanken: Sätze wie „Das war nicht gut genug“, „Kein Wunder, dass du es nicht geschafft hast“ oder „Du bist nichts wert“. Woher kommt diese Stimme? Was will sie von

Depression #1 - Das Gold am Ende des Regenbogens
Wenn es mir schlecht geht, denke ich drüber nach, warum. Das ist doch erst einmal etwas Gutes, oder? Leider ist häufig dieser Denkprozess selbst das Problem. In dem Fall spricht man vom Grübeln. Während ich beim konstruktiven Nachdenken auf echte Lösungen komme und weiterkomme, drehe ich mich beim Grübeln im Kreis. Das Tückische: Ich habe dabei trotzdem den Eindruck, etwas Hilfreiches zu tun. Der

Sind psychische Störungen einfach nur Hirn-Krankheiten?
Psyche und Hirn hängen eng zusammen, aber sind deshalb psychische Störungen nichts anderes als Hirn-Störungen? Das ist, denke ich, falsch. Aber wieso genau?In dieser Episode geht es um die metaphorische Unterscheidung zwischen „Dashboard-Wissen“ vs. „Engine-Wissen“ – inspiriert von Owen Barfields Saving the Appearances (1957). Anhand dieser Unterscheidung erkunde ich, wie wir psychische Störungen

Sucht im Hirn #2 - Warum und wie werden wir süchtig?
Diese Episode ist ein wilder ideengeschichtlicher Ritt durch die fabelhafte Welt der Neuro-Theorien zum Thema Sucht. Warum werden manche Menschen süchtig und andere nicht? Wieso verlieren wir die Kontrolle über unseren Konsum? Und was soll das bitte mit dem Immunsystem zu tun haben?Paper über neurobiologischen Grundlagen der Sucht: doi.org/10.3390/psychoactives3010003Zeit-Artikel über Zsmh. zwisch

Sucht im Hirn #1 - Was ist jetzt eigentlich mit Dopamin?
Dopamin ist in aller Munde. Überschriften wie "30 Tage Dopamin-Detox: Das habe ich über mich gelernt" signalisieren uns, dass Dopamin irgendwie schlecht ist und wir das in den Griff bekommen sollten. Aber stimmt das überhaupt? Und wie funktioniert Dopamin? Wieso kommt es zu einem Dopamin-Defizit, wenn ich längere Zeit auf Insta scrolle? Und wieso kann Drogenkonsum depressiv machen? Was h

Ist psychische Gesundheit im Kopf?
Man könnte denken, in der Therapie gehe es hauptsächlich darum, belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten, also abschließend durchzukauen und dann ad acta zu legen. Jedenfalls aber, glauben wir, muss sich irgendwas in der Psyche selbst ändern. Meine übrigen Probleme? Das wird sich finden...Was aber, wenn wir das therapeutische Pferd auch von der anderen Seite aufzäumen könnten? Wa

Opfermentalität #4 - Trauma als Wurzel allen Übels und der emotionale Determinismus
In dieser Episode geht es um Opfernarrative rund um die Diagnose Trauma – und warum sie oft echte Veränderung blockieren. Ich spreche über Irrtümer im Zusammenhang mit tatsächlichem und selbstdiagnostiziertem Trauma, den inflationären Gebrauch des Begriffs „Trauma“ (Stichwort: tiny traumas) und was wirklich hinter schwierigen Gefühlen steckt. Aus der Perspektive der Akzeptanz- und Commitment-Thera

Opfermentalität #3 - Der Mythos des reinen Bösen und der fundamentale Attributionsfehler
Böse sind immer die anderen: Beim unmoralischen Handeln messen wir bei uns und anderen mit zweierlei Maßen. Bei uns selbst fallen uns prompt mildernde Umstände ins Auge, beim anderen führen wir sein Fehlverhalten auf das vermeintlich reine Böse zurück, das ihm dem Mythos zufolge innewohnen soll. Diesen sogenannten moralization gap können wir als fundamentalen Attributionsfehler verstehen und er fü

Opfermentalität #2 - Change it, Leave it, Accept it
In dieser Episode wagen wir uns weiter vor ins thematische Minenfeld der Opfermentalität. Wir stellen uns Fragen wie: Woran erkenne ich eigentlich, dass ich mich in einen Opfermodus begebe? Was kann ich machen, um da wieder rauszukommen? Was unterscheidet eigentlich den Opfermodus von einer konstruktiven Problemanalyse? Was gibt es für Implikationen für die Therapie? Und was wären eigentlich Beisp

Opfermentalität #1 - Zwischen toxischer Agency und Passivität
Der neoliberale Mythos, wir seien in jeder Hinsicht für unseren (sozialen, therapeutischen, finanziellen) Erfolg verantwortlich, ist unplausibel. Als Reaktion gegen diese Form toxischer Agency hat sich jedoch eine Haltung entwickelt, welche die ebenso unplausible Gegenposition einnimmt: die Opfermentalität. Hiermit meine ich einen geistigen Modus, in dem reale Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeit

ChatGPT & Co. : Bindung im Zeitalter ihrer technischen Simulierbarkeit
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Die stoische Prüfung
Häufig regen wir uns über Dinge auf, die wir ohnehin nicht kontrollieren können. Wir steigern uns in unsere missliche Lage hinein und produzieren dabei Ärger und andere belastende Gefühle, unter denen wir später leiden. Aber es gibt eine Alternative: die stoische Prüfung. Das ist ein Framing oder eine Perspektive, aus der wir unsere Situation betrachten können und durch die wir uns auf dasjenige a
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